Archiv für Januar 2010

Mordfälle in Südzypern haben sich in 2009 verdoppelt

Der griechisch-zyprische Polizeichef stellte in einer Pressekonferenz die landesweite Lage der Kriminalität und Mordfälle im Süden der Insel Zypern für das Jahr 2009 vor. Demnach wurden im letzten Jahr insgesamt 19 Menschen ermordet. Die Anzahl der Mordfälle hat sich im Vergleich zu 2008 (neun registrierte Mordfälle) mehr als verdoppelt. Lediglich bei der illegalen Einwanderung (Rückgang um 27,1%) und bei den tödlichen Unfällen (Rückgang um 19%) konnten Erfolge erzielt werden. Die Redaktion der südzyprischen Zeitung Politis behauptete, dass die Polizei stets nach einen Sündenbock suche. Anstatt der Gesellschaft Südzyperns die Schuld für die aktuelle Lage zu geben oder die Verwendung von speziellen Maßnahmen wie Telefon- und Videoüberwachung zu verlangen, sollte die Polizei mit gutem Beispiel vorangehen. Die Beschränkungen von Freiheiten könne da kein Ausweg sein. (politis)

Fortschritte bei der Verwaltung und Machtteilung

Als „ernste Annäherung auf Zypern“ titulierte am Freitag die türkischsprachige Zeitung Milliyet einen ihrer Artikel. Bei den Verhandlungen über die „Verwaltung und Machtteilung“ des föderalen und vereinigten Zyperns wurden ernst zu nehmende Fortschritte erzielt. Dies erklärte der Präsident der Türkischen Republik Nordzypern, Mehmet Ali Talat, im Anschluss an das vierstündige Gespräch im türkisch-zyprischen Staatspräsidium. Dennoch sind die Verhandlungen über das Thema noch nicht abgeschlossen. Ohne ein Abkommen oder einer vollen Übereinstimmung könne der Volksgruppenführer keine näheren Angaben machen. Bisher sind die Präsidenten der türkischen- und griechischen Zyprer zum 67.mal im Rahmen der Verhandlungen zur Lösung der Zypernfrage zusammengekommen. (milliyet, cumhuriyet, trt)

Ban Ki-moon wird Zyperns Führer ermutigen

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, wird zwischen Sonntag und Dienstag die Insel Zypern besuchen. Laut Angaben des UN-Informationsamtes, habe Ban Ki-moon gestern mit dem UN-Sonderbeauftragten für Zypern, Alexander Downer, ein Telefonat geführt und sich über die aktuelle Lage der intensiven Verhandlungen zwischen den politischen Führern der Insel unterhalten. Um seine persönliche Unterstützung kundzugeben wird Ban Ki-moon am Sonntagabend in Nikosia eintreffen und getrennte Gespräche mit den Präsidenten Nord- und Südzyperns führen. Der UN-Generalsekretär wird am Montag zuerst mit Staatspräsident Mehmet Ali Talat im Staatspräsidium zusammenkommen. Am Nachmittag wird er dann an dem Treffen von Talat und Christofias in der Pufferzone teilnehmen. Die Abreise soll am 2. Februar stattfinden. Im Süden wird der Besuch kritisch betrachtet. Der UN-Vizegeneralsekretär Pascoe soll gesagt haben, der Besuch Ban Ki-moons sei notwendig, um die griechischen Zyprer für eine Lösung des Konfliktes zu gewinnen. Der DISY-Chef Anastasiades sei der Auffassung, dass der Besuch nicht unbedingt als besorgniserregend zu bezeichnen sei. Der Generalsekretär komme nicht nach Zypern um der griechischen Seite eine Lösung aufzuzwingen, so Anastasiades. Laut den zyprischen Zeitungen habe auch Christofias seit Wochen eine ablehnende Haltung gegenüber dem Besuch Ban Ki-moons eingenommen. Immer wieder tauchten im Süden Gerüchte auf, wonach eine Zwischenlösung in Form eines Übergangsvertrages aufgedrängt werde. (trt, cumhuriyet, alithia)

Dr. Derviş Eroğlu schon bald zyprischer Präsident?

Der derzeitige zypern-türkischer Premierminister und Vorsitzende der Nationalen Einheitspartei wird am 18. April 2010 als Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen der Türkischen Republik Nordzypern (TRNZ) antreten. Dies hat die Regierungspartei UBP einstimmig beschlossen. Das aktuelle Staatsoberhaupt Mehmet Ali Talat wird seinen Antritt zur Wiederwahl im Februar verkünden. Im türkischen Teil der Insel Zypern wird vermutet, dass die übrigen im Parlament vertreten Parteien einen unabhängigen Präsidentschaftskandidaten aufstellen werden. Sollte Eroğlu nach Denktaş und Talat zum (dritten) Präsidenten der im Jahre 1983 gegründeten Republik werden, wird er sich gleich einem Tag nach seinem Wahlsieg mit seinem griechisch-zyprischen Amtskollegen Christofias treffen. Die Verhandlungen zur Lösung der Zypernfrage wird er mit einer neuen Expertengruppe weiterführen, erklärte er in seiner Ansprache vor seinen Parteikollegen. Eroğlu möchte die TRNZ behalten und in die neuzugründende „Zypern Konföderation“ eingliedern. Wenn das Zusammenleben in der Konföderation gut funktioniere, könne man die Insel zu einem föderalen Staat umwandeln. Aber stelle man fest, dass der Vereinigung nicht funktioniere, müsse man sich wieder trennen und die Teilung Zyperns endgültig akzeptieren, beschrieb Eroğlu im letzten Jahr seinen Plan zur Konfliktlösung. (brt, star kıbrıs, tak)

Intensivierte Verhandlungen auf Zypern

Der politische Führer des türkischen Teil Zyperns, Mehmet Ali Talat, und sein südzyprischer Amtskollege, Dimitris Christofias, haben sich in Zusammenhang der intensivierten Verhandlungsrunde am Dienstag in Nikosia getroffen. Der Präsident Nordzyperns wies darauf hin, dass Themen wie „Führung und Machtteilung” noch verhandelt werden. Soweit die Verhandlungen positiv für beide Seiten ausfallen, werde der Prozess problemlos verlaufen, so Talat. Südzyperns Präsident Christofias soll inselgriechischen Zeitungen zufolge vorgeschlagen haben, eine Höchstgrenze von 5% für griechische und türkische Bürger an der Gesamtbevölkerung zu setzen. Dies sei eine Antwort auf die Forderung der türkisch-zyprischen Seite im Falle einer Vereinigung den türkischen Staatsbürgern vier grundlegende Freiheiten einzuräumen. (türkiye)

Zyperngriechen für Abbruch der Verhandlungen und gegen Lösungsvorschläge

Die zyprisch-griechische Zeitung Phileleftheros hat die Ergebnisse einer von der griechischen Zeitung Proto Thema unter der südzyprischen Bevölkerung durchgeführten Umfrage veröffentlicht. Demnach werde die Verhandlungstaktik des Präsidenten Christofias von 58% der Befragten als falsch eingeschätzt. Des Weiteren seien 74% der Studienteilnehmer gegen die alternierende Präsidentschaft, wie es bei den aktuellen Verhandlungen zur Lösung der Zypernfrage von den politischen Führern beider Inselteile vereinbart wurde. Der Aufenthalt von 50.000 Türkeistämmigen mit nordzyprischer Staatsbürgerschaft (in Südzypern Neusiedler genannt) nach der Vereinigung wird von 78% der befragten Südzyprer abgelehnt. Außerdem zeigen sich 81% über eine Einigung bei den Friedensgesprächen im Jahre 2010 pessimistisch. Soweit die Verhandlungen nicht positiv für die griechisch-zyprische Seite ausfallen, seien 61% der Befragten der Meinung, dass der Süden der Insel Zypern die Verhandlungen verlassen sollte. (phileleftheros)

Weitere Festnahmen im Mordfall Hadjicostis

Im Rahmen der Ermittlungen im Mordfall Hadjicostis († 11. Januar 2010) wurden am Donnerstag die TV-Moderatorin, Elena Skordelli, und ihr Bruder, Anastasios Krasopoulis, von der griechisch-zyprischen Polizei festgenommen und verhört. Einer der drei bereits festgenommen Hauptverdächtigen hatte die Moderatorin und ihren Bruder als Anstifter zu dem Mord beschuldigt. Inselgriechischen Zeitungen zufolge sollen Skordelli und Krasopoulis dem Haupttäter 50.000 Euro für den Mord an Hadjicostis gezahlt haben. Ein europäischer Haftbefehl für den vierten Täter liege bereits vor. (politis, phileleftheros)

Die Türkei unterstützt Zyperngespräche

Der Präsident der Türkischen Republik Nordzypern, Mehmet Ali Talat, reiste im Vorfeld der zweiten intensiven Runde der Zypernverhandlungen in die türkische Metropole Istanbul. Dort kam er mit seinem Amtskollegen Gül im Tarabya-Schloss und dem Außenminister Davutoğlu im Çırağan-Palast zusammen. Das Gespräch mit Gül fand unter Vieraugen statt und dauerte etwa anderthalb Stunden. Dabei wurde betont, dass die Türkei und die TRNZ ihre Bemühungen zur Lösung der Zypernfrage fortsetzen werden. Am Montag wird das türkisch-zyprische Staatsoberhaupt an der vorerst letzten Runde der seit September 2008 andauernden Verhandlungen teilnehmen. (türkiye, trt, tak)

30 Zyperngriechen wegen Massaker an 126 Frauen und Kindern angezeigt

Am 20. Juli 1974 wurden die zypern-türkischen Dörfer Muratağa, Atlılar und Sandallar von griechisch-zyprischen Milizen überfallen. Dabei wurden alle Männer als Geiseln genommen und abtransportiert. Am 14. August 1974 wurden die restlichen anwesenden Bewohner der Dörfer an einem außerhalb gelegenen Ort versammelt und ermordet. Insgesamt kamen dabei 126 Frauen und Kinder ums Leben. Die Leichen wurden in einem Massengrab verscharrt, später von türkischen Zivilisten und Militär exhumiert. Die sterblichen Überreste belegten ohne Zweifel, dass die türkischen Zyprer gefoltert und auf eine bestialische Weise getötet wurden.

Seit Jahrzehnten verlangen die Familien der Opfer Gerechtigkeit. Sie haben den Verein „Muratağa, Atlılar, Sandallar Şehitleri Yaşatma Derneği“ gegründet und nach der innerzyprischen Grenzöffnung auf eigene Faust etwa 30 mutmaßliche Täter im griechischen Teil der Insel Zypern ausfindig gemacht. Bei diesen Zyperngriechen handelt es sich um damalige Bewohner des Dorfes „Piyi Peristerona“. Die Anwälte des nordzyprischen Vereins haben nun, 35 Jahre nach dem Massenmord, bei der griechisch-zyprischen Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige gegen die Mörder ihrer Frauen und Kinder erstattet. (brt)

Orams verlieren vor Berufungsgericht

Ein britisches Berufungsgericht hat den Eheleuten Orams nicht Recht gegeben. Sie sollen nun ihr Haus in Nordzypern einreißen und das Grundstück an den ehemaligen zyperngriechischen Besitzer zurückgeben. Man werde weiter für einen Erhalt des Gebäudes kämpfen, ließen die Betroffenen verlauten. Die Regierung in Nordzypern zeigte sich enttäuscht von dem Urteil. Die Grund- und Bodenfrage auf dem Gerichtsweg zu lösen würde die politische Lösungsfindung erschweren. Die Verhandlungen seien durch das Urteil und den Prozess erschwert worden. (up)

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